Christoph Ott [1686]

Unvergleichliche Ehren=Cron/ Welche Der Roemischen Catholischen Kirchen in disem sibenzehenden Welt=Gang auß allen vier Theilen der Welt/ Als Europa, Asia, Africa und America, Durch Ihr Bekehrung zu dem Catholischen Glauben vil gecroente/ als Kayserliche/ Koenigliche/ Churfuerstliche/ Fuerstliche/ Und andere hoch=achtbare Persohnen auffgesetzt haben. Mit Muehe zusamen gelesen Von R. P. Christophoro Ott, Auß der Gesellschaft Jesu Priesteren. Cum Privilegio Cæsareo, & facultate Superiorum.
Gedruckt zu Dillingen/ In Verlag und Truckerey Johann Caspar Bencards Acad. Buchhandlers. Durch Johann Federle. Im Jahr Christi/ M. DC. LXXXVI.

Zitierweise: Rolf Felbinger: Quellenautopsie "Christoph Ott (1686)", in: Europabegriffe und Europavorstellungen im 17. Jahrhundert. Web-Projekt, Wolfgang Schmale (Dir.).
https://europaquellen.univie.ac.at/einzelansicht/news/christoph-ott-1686/

Schlagworte: Katholizismus; Konvertiten; Namensregister; Standespersonen; Weltteil;

Fundort: BSB / 4 H.eccl. 577

A) KurzbiographieB) Beschreibung der Quelle C) Europabegriff und -vorstellung bei Ott

 

A) Kurzbiographie

Das Leben Christoph Otts kann nur fragmentarisch rekonstruiert werden. Er wurde im Jahr 1612 in Freiburg im Breisgau geboren und trat bereits als Sechzehnjähriger der Gesellschaft Jesu bei. Etwa gegen Mitte der Dreißiger Jahre übernahm er verschiedene Lehrämter in den Schulen seines Ordens und unterrichtete Philosophie, Poesie, Rhetorik sowie Vernunft- und Sittenlehre. In den späteren Lebensjahren trat er von diesen Aufgaben zurück und widmete sich fortan, als eifriger Verfechter der Gegenreformation, hauptsächlich der Predigt und der Seelsorge. Es gilt als sicher, dass er ab 1658 in Augsburg sowie ab 1664 in Freiburg in der Schweiz gewirkt hat und sich im Alter im Jesuitenstift von Dillingen aufhielt. Seine Werke umfassen Erziehungstraktate wie die 1657 veröffentlichte "Hohe Schul der lieben Eltern", theologische Streitschriften wie die 1660 publizierte "Demonstratio catholicae veritatis" und historische Arbeiten wie das 1676 erstmals in Innsbruck aufgelegte "Roma gloriosa oder das glorwuerdige Rom in seinen 244 Päpsten", welches auch sein bekanntestes Werk darstellt. Neben seinen eigenen Schriften besorgte er außerdem Übersetzungen französischer und lateinischer Werke. Christoph Ott starb gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Ort und Datum seines Ablebens sowie seine Begräbnisstätte sind nicht bekannt.

 

Literatur:

  • Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 24, S. 551.
  • Deutsches Biographisches Archiv, Alte Folge, Mikrofiches-Edition, MF 922.
  • Brischar, Johann Nepomuk: Die katholischen Kanzelredner Deutschlands seit den drei letzten Jahrhunderten, Bd. 2 (= Die Kanzelredner aus dem Jesuitenorden; 1), Schaffhausen 1867.
  • Jöcher, Christian Gottlieb: Allgemeines Gelehrten-Lexicon, 3. Theil, Leipzig 1751 (Reprint: Hildesheim 1961), Sp. 1137-1138.

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B) Beschreibung der Quelle

Als im Jahr 1686 Christoph Otts Buch "Roma gloriosa", das die päpstliche Geschichte vom Heiligen Petrus bis Innozenz XI. aufarbeitet, in Dillingen zum zweiten Mal in Druck geht, wird die "Unvergleichliche Ehren=Cron" dem Werk als Zugabe angehängt. Wie der Vorrede des Autors zu entnehmen ist, entstammt sie der Abhandlung "Historia nova nostri saeculi decimi septimi", die ebenfalls von dem Jesuiten verfasst wurde. Die Zugabe umfasst etwa zwanzig Seiten und besteht aus einem Titelblatt, einer "Kurtze[n] Ansprach an den Leser", sowie einem kommentierten Namensregister berühmter Personen, die im 17. Jahrhundert zum Katholizismus übergetreten sind.
Das Register selbst ist in drei inhaltliche Abschnitte sowie mehrere untergeordnete Teile und Absätze aufgespalten, wobei ständische und geographische/nationale Gesichtspunkte als Gliederungskriterien dienen. Dementsprechend enthält der erste "Inhalt" ausschließlich konvertierte Familien und Einzelpersonen, die innerhalb des Römisch-Deutschen Reiches zumindest den Fürstenstand einnehmen. Hierzu zählen zum Beispiel das "Kayserliche Hauß der Pfaltz Grafen bey Rein", das "Churfuerstliche Hauß Saxen" oder das "Churfuerstliche Hauß Brandenburg". Der zweite "Inhalt" zählt danach in einem ersten Teil alle Konvertiten auf, die innerhalb des "christlichen Europa" ("Schweden, Denenmarck, Franckreich, Ungaren, Pollen und Engelland") einen fürstlichen Rang belegen, während in einem zweiten Teil alle ständisch gleichwertigen "Machometanern und Heyden" aus "Asia, Africa und America" genannt werden, die sich auch für den Katholizismus entschieden haben (sollen). Im dritten "Inhalt" tauchen letztlich noch die Angehörigen des Grafen- und Herrenstandes und des Amtsadels, sowie berühmte und verdiente Akademiker auf, doch wird auf deren geographische/nationale Zugehörigkeit nicht mehr explizit hingewiesen. Christoph Ott wertet die Zusammenstellung als überragenden Erfolg für die römische Amtskirche und führt auf den letzten Seiten die wichtigsten 37 Konvertiten (wie Christine von Schweden oder Jakob II. von England) nochmals auf, um den wiedererstarkten Einfluss des Katholizismus augenfällig zu betonen.

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C) Europabegriff und -vorstellung bei Ott

Bei der Analyse von Otts kleiner Schrift darf deren primärer Zweck, der in der Aufwertung und Lobpreisung der römisch-katholischen Amtskirche durch die Nennung bekannter und einflussreicher Konvertiten besteht, nicht außer acht gelassen werden. In Bezug auf den abzuklärenden "Europa"-Aspekt erscheint die ständische und geographisch/nationale Kategorisierung bzw. Klassifizierung der aufgeführten Personen interessant zu sein.
Die erste Kategorie zählt alle Konvertiten des reichsdeutschen Fürstenstandes auf. Die zweite Kategorie zählt ebenfalls Konvertiten fürstlichen Standes auf, doch greifen hier zwei miteinander verflochtene Besonderheiten, die eine Abgrenzungsmöglichkeit erlauben. Zum einen handelt es sich um konfessionelle Konvertiten "europäischer" Herkunft, die innerhalb des christlichen Weltteiles "Europa" wieder zur ursprünglichen und wahren Lehre, dem Katholizismus, zurückkehren, und zum anderen werden die Konvertiten "außereuropäischen" Ursprungs zusammengefasst, die sich vom Heidentum oder den unchristlichen Religionen der drei anderen Kontinente "Asia, Africa und America" - von denen aufgrund des aktuellen Geschehens lediglich der Islam namentlich genannt wird - bekehrt abwenden, um sich dem Katholizismus anzuschließen. In dieser Gruppe spielt der konfessionelle Aspekt keine Rolle. Vielmehr wird der Eindruck vermittelt, dass Konvertiten "außereuropäischer" Herkunft stets im Katholizismus den wahren Vertreter des Christentums erkennen, weil sie nicht von den "europäischen" Irrlehren der Reformation verwirrt worden sind, falls sie überhaupt von ihnen Notiz genommen haben.
Da beide Gruppen nach dem Übertritt ihrer Mitglieder vollkommen homogen (in ständischer sowie religiös-konfessioneller Hinsicht) wurden, erscheint ihre gemeinsame Klassifizierung auf der ersten Ebene durchaus verständlich. Nun stellt sich lediglich die Frage, warum sie nicht auch mit der ersten Kategorie, den Angehörigen des reichsdeutschen Fürstenstandes, vereinigt worden sind. Die Konstellation hat dabei vermutlich zwei Ursachen: einerseits wird durch die vorliegende Hierarchisierung des Registers die traditionell bedeutende Stellung des römisch-deutschen Kaiserreiches innerhalb "Europas" patriotisch unterstrichen und andererseits lässt sich durch diese Trennung auch der bemerkbare Informationsmangel in Bezug auf die "europäischen" und der außerordentliche Informationsmangel in Bezug auf die "außereuropäischen" ("Hab ich durch Schreiben auß Prasilien vernommen/ daß 3. Koenig selbiger Landen/ dem Leib nach Risen/ von unserm P. Rueland unlaengst seynd bekehrt worden.") Konvertiten überspielen, die der Autor mehrmals zu entschuldigen ("... soviel wir in Europa wissen ...") versucht.
Schließlich fällt noch eine Besonderheit bei der Einordnung von fürstlichen Standespersonen aus dem Osmanischen Reich auf. Sie erscheinen unter Punkt 2.2.3. ("Inhalt/Theil/Absatz") des Registers und fallen damit wie Konvertiten "auß dem Koenigreich Fezz und Maroco in Africa", "auß dem Koenigreich Tunis in Africa" oder "auß dem Indien gegen Niedergang/ oder America" unter die Kategorisierung "außereuropäisch" sowie "heidnisch/muslimisch". Anders als bei den genannten Beispielen wird die "Ottomanische Porten" aber keinem Kontingent zugeordnet und die vorgenommene Kategorisierung beweist lediglich, dass Ott sie, ohne auf seine Gründe einzugehen, nicht zu "Europa" zählt.

(rf)

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